"DIE LEGENDE VOM KÜNSTLER"

„Die Legende vom Künstler“

Pause vom Schaffensprozess – zurückgelehnt in den Pausenstuhl muss das Getane gemeinsam mit dem Butterbrot verdaut werden. Ein kleines Stück Arbeits-Abstand, das sich im Moment der Pause schnell weiter ausdehnen kann. „Was tue ich hier eigentlich?“ „Wer bin ich in diesem Zusammenhang?“ „Ich“, das „künstlerische ich“, das „schöpferische Individuum“ mit dem Ausrufungszeichen und den vielen Fragezeichen, die Künstlerin, der Künstler.

„Die Legende vom Künstler“ ist ein diskursives Projekt, das die Bilder und Vorstellungen vom Künstlerin-Sein, vom Künstler-Sein zum Inhalt hat. In dialogischen Interventionen, Gesprächen, Interviews, Vorträgen, Materialsammlungen, Performances, Videos, Installationen und Texten fragen wir nach den gemeinsamen Nennern der individuell sehr unterschiedlichen KünstlerInnenbilder und versuchen sie in ihre sprach- und begriffsgeschichtlichen Zusammenhänge zu stellen.

Namensgeber des Projekts ist Ernst Kris’ und Otto Kurz’ 1934 erschienene Studie Die Legende vom Künstler, die untersucht, welche festsitzenden kollektiven Komponenten sich mit dem Bild der Künstlerin / des Künstlers verbinden. Gemeinsam mit unseren Gesprächs- und DiskurspartnerInnen versuchen wir durch den reflexiven Prozess („das Zurücklehnen“) Platz für neue Rollenverständnisse als KünstlerIn zu gewinnen. Rollenverständnisse jenseits des übersteigerten Individualismus und des zwar meistens verschwiegenen, aber tagtäglich in seinem ungebrochenen Fortbestehen zu beobachtenden patriachalen Genietums. Auf dieser Ebene hat das Projekt „Die Legende vom Künstler“ eine praktisch-politische Motivation. Wir sprechen also von einer aktiven Pause.

„Die Legende vom Künstler“ läuft in mehreren Projektschritten seit 2000. Sie begleitet unsere sonstige Arbeit zur Hinterfragung des künstlerischen Handelns und seiner möglichen Potentiale.

Fotos: Elisabeth Wörndl